Die Wahrheit über Bitcoins Energieverbrauch

Eine Seite nach der anderen schießt sich nun auf den Energieverbrauch von Bitcoin ein. Laut Spiegel bedroht der Bitcoin-Boom sogar die globale Energiewende. Eine der Quellen ist wiedermal der Artikel aus dem Digiconomist, der bereits an dieser Stelle widerlegt wird.

Bitcoins Energieverbrauch oder wie ein einziger Artikel große Aufregung im Netz schafft

Die meisten Artikel im Netz, die sich mit dem Thema befassen, nehmen den Digiconomist Artikel als Quelle. Im Spiegel Artikel selbst wird gegen Ende des Textes relativiert: „Noch fällt der Stromverbrauch der Bitcoin-Miner im Vergleich zu Chinas gewaltigem Energiehunger kaum auf. Und noch kann China sich rühmen, den Kohleverbrauch und damit den CO2-Ausstoß insgesamt zu drosseln.“, aber die Headline bleibt im Kopf und wieviele Menschen lesen den ganzen Artikel überhaupt?

Worum geht es bei dem ganzen Bitcoins Energieverbrauch Geschrei?

Bitcoins entstehen durch Mining. Das ist ein Vorgang bei dem spezielle Computer ein kompliziertes mathematisch kryptographisches Rätsel lösen müssen, das hohen Einsatz von Rechenleistung und somit Strom braucht. Das nennt sich Proof-of-Work und ist die aller sicherste Methode Daten nicht korrumpierbar für immer auf der Blockchain festzuschreiben. Soll heissen: das Minen (und andere Faktoren) macht es möglich, dass es keine zentralen Vermittler mehr braucht, um Vertrauen zwischen zwei Unbekannten herzustellen und Informationen vor Zensur und Datenklau zu schützen.

Mining ist unerlässlich für das Funktionieren der Bitcoin-Blockchain. Dabei entstehen Bitcoins, die die Miner für ihren Arbeitseinsatz erhalten. Die einfache Rechnung ist: je günstiger der Strom, desto mehr Gewinn machen die Miner. Mining ist komplett ortsunabhängig und dezentral. Daher werden die meisten Mining-Farmen dort errichtet, wo es günstigen Strom gibt.

Bitcoin bedroht die Energiewende nicht, es finanziert dezentrale effiziente und günstig erzeugte Energie

Der Strom kommt bekanntlich nicht aus der Steckdose, sondern aus allen Arten von Kraftwerken. Neue Kraftwerke werden so gebaut, dass sie den vermuteten Bedarf im Umkreis in den kommenden Jahrzehnten decken können. Diese Kraftwerke liefern dann einige Jahre mehr Strom als es Bedarf gibt. Die Überproduktion wird günstig abverkauft. Das sind natürlich auch Kohlekraftwerke in China, aber wie der Spiegel selbst schreibt: „Freilich werden nicht alle Bitcoins mit Kohlekraft hergestellt. In der südchinesischen Provinz Sichuan nutzen die Miner billigen Strom aus riesigen Wasserkraftwerken. Neuerdings häufen sich auch Meldungen von Firmen, die Wasserkraft in Nordamerika oder Nordeuropa zum Bitcoin-Mining nutzen wollen.“

Die Blockchain-Technologie erlaubt erstmals dezentrale autonome Energiemärkte. In denen sich kleine und größere Regionen über Solarenergie selbst versorgen und den überschüssigen Strom an ihre Nachbarn weiterverkaufen. Ohne vom staatlichen oder zentralen Energieversorger permanent abhängig zu sein. Siemens arbeitet mit Unternehmen in den USA an einem dieser Projekte, dem Brooklyn Microgrid. Dadurch finanzieren sich neue ökologische Energiequellen.

Um den Zusammenhang zu verdeutlichen: Die Blockchain-Technologie ist quasi mit dem Bitcoin gemeinsam erfunden worden. Das heisst, das technologische System Bitcoin ermöglicht viel mehr als ein Anlageobjekt oder vielleicht ein Zahlungsmittel zu sein. Dieser Zusammenhang wird überhaupt nicht wahr genommen.

Die Kraftwerke werden nicht für das Bitcoin Mining gebaut, das heisst Miner verwenden Strom, der so oder so produziert wird. Bei alternativer Energie also Solar-, Wind- oder Wasserkraftwerken läuft die Produktion weiter, auch wenn wenig Bedarf herrscht. Hier als Beispiel eine Mining Farm in Island. Der Strom in Island ist deshalb billig, weil er aus Erdwärme gewonnen wird.

Kritisieren ist leichter als sich zu informieren

Es ist einfach Bitcoin für den Energieverbrauch zu kritisieren, weil es so offensichtlich ist. Aber wieviel Strom wird verbraucht für die Erzeugung, das Aufbewahren und Transportieren von Gold? Für das Drucken von Banknoten und Münzen, die Erzeugung unserer Kredit- und Kundenkarten, das Fliegen in den 17. Urlaub im Jahr, die industrielle Tierhaltung, das 25. T-Shirt das unbenutzt im Schrank liegt, die Datencenter der Banken etc. etc. Diese Energiefresser sind versteckt und wir denken nicht daran und gleichzeitig bringen diese Vergleiche nichts. Man muss immer die langfristigen Auswirkungen und Möglichkeiten einer Technologie betrachten, um zu einer der Realität annähernd entsprechenden Sicht der Dinge zu kommen.

10 mal mehr Bitcoins ist nicht gleich 10 mal mehr Energieverbrauch

Die Kosten für das Mining werden nicht steigen, wenn mehr Menschen Bitcoin benutzen. Der Mining-Vorgang läuft nach festgelegten Regeln ab. Alle 10 Minuten wird ein Block mit Transaktionen an die Blockchain gehängt. Die Anzahl der im Block beinhalteten Transaktionen hat nichts mit dem Energieverbrauch zu tun. Das mathematische Rätsel für das die Rechenleistung benötigt wird, wird für den Block gelöst und der kann viele Transaktionen enthalten. Miner sind Geschäftsleute, die Profit machen wollen. Daher werden sie immer so energieeffizient wie möglich arbeiten. Dazu kommt, dass sich die Belohnung für das Minen alle vier Jahre verkleinert. Das heisst der Profit für die Miner verringert sich, weshalb sie wieder günstigere und effizientere Energiequellen suchen. Gibt es mehr erneuerbare günstige Energiequellen, so werden sich die Miner dort ansiedeln und die Kraftwerke damit mitfinanzieren.

Der weltweite Stromverbrauch hat sich seit 1971 vervierfacht

Daran, dass sich der Stromverbrauch weltweit seit 1971 vervierfacht hat, kann der Bitcoin nicht Schuld sein, denn diesen gibt es erst seit 2009. Und die Wahrheit? Die werden wir alle im Nachhinein wissen.


Grafik Quelle: International Energy Agency/OECD

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