Bit & Block News #25 | 300 Mill. USD Bitcoin Transaktion mit 4 Cent Gebühr, Lightning Netzwerk, EU Positionspapier

Bei mir hat sich letzte Woche sehr viel getan, genau vor einer Woche war Andreas M. Antonopoulos in meinem neuen Bitcoin & Co. Podcast zu Gast. Wer ihn nicht kennt, Andreas ist einer der bekanntesten Bitcoin Experten weltweit. Er hat nicht nur ein paar Bücher über Bitcoin geschrieben, sondern auch hunderte von Vorträgen gehalten und berät Regierungen und Institutionen. Der Podcast mit ihm, wird in den kommenden Wochen erscheinen. Warum erst in ein paar Wochen? Der Podcast wird auf einer neuen Webseite erscheinen namens https://bitcoinandco.net, auf der es auch online Learning Angebote geben wird – und daran arbeite ich noch.

Bitcoin Überweisung im Wert von 300 Millionen USD – Gebühren: 4 Cent

Jedenfalls hat mir Andreas in unserem sehr interessanten Gespräch erzählt, dass Ende Juni eine Bitcoin Überweisung im Wert von rund 300 Millionen USD stattgefunden hat. Die Transaktionskosten, also die Gebühren dafür waren nur 4 Cent. Der Grund dafür ist, dass die Gebühren für eine Überweisung im Bitcoin Netzwerk nicht von der Höhe des Betrages abhängig sind, sondern von der Datenmenge, die übertragen wird. Ob ich 30 Dollar oder 300 Millionen Dollar überweise, die Datenmenge der Transaktion bleibt gleich, ich habe nur ein paar Ziffern mehr im Code. Das ist einer der disruptiven Faktoren, warum Bitcoin und andere Kryptowährungen für so viel Veränderung, nicht nur im Bankensystem sorgen werden. Diese Transaktion wurde übrigens on-chain also direkt über die Bitcoin Blockchain abgewickelt, noch nicht über das Lightning Netzwerk.

Lightning Netzwerk

Das Lightning Netzwerk soll das Problem lösen, dass die Bitcoin Blockchain mit 7-12 Transaktionen pro Sekunde relativ langsam ist (immer noch schnell im Vergleich zum aktuellen Bankensystem). Hier wird immer der Vergleich zum VISA oder Paypal Netzwerk gezogen, wo viel mehr Transaktionen möglich sind als auf der Bitcoin Blockchain. Das stimmt. Aber jetzt kommt Lighnting. Das Lightning Netzwerk ist eine sogenannte Sidechain. D.h. hier werden Transaktionen in Payment Channels abgewickelt, nur der Anfang und das Ende des Payment Channels mit der Bitcoin-Blockchain verbunden ist. Alle Transaktionen innerhalb des Payment Channels können viel schneller abgewickelt werden, weil sie nicht in die Bitcoin Blockchain geschrieben werden müssen, sondern wie gesagt nur Anfang und Ende des Payment Channels wird in der Blockchain gespeichert. Coingate ist der erste Payment Provider, der Bezahlung im Internet über Lightning ermöglicht.

Lightning hat folgende Vorteile:

    • Tausendfache Erhöhung der Kapazität des Bitcoin Netzwerkes
    • Einer Überweisung kann nach wenigen Milli-Sekunden vertraut werden, ohne, dass es Bestätigungen aus der Blockchain braucht
    • Die Transaktionsgebühren können niedriger werden, denn es müssen nur die Lightning Nodes bezahlt werden. Die Mining Gebühren entfallen, weil ja nur der erste und letzte Part des Payment Channels in die Blockchain geschrieben werden muss.
    • Mikro Zahlungen werden möglich
    • Handeln in Echtzeit direkt von einer sicheren Wallet aus wird mit Bitcoin möglich, weil man keine Einlage auf Exchanges halten muss
    • ebenso sind Atomic Swaps möglich, das ist der direkte Tausch von Kryptowährungen gegen andere Kryptowährungen z.b. BTC gegen LTC ohne Exchanges
    • und schließlich wird der Schutz der Privatsphäre verbessert, weil nur mehr der Netto-Transaktionsbetrag auf der Blockchain sichtbar ist und nicht von wem zu wem eine Transaktion stattgefunden hat.

Die Hoffnungen in Lightning sind groß, allerdings muss man auch dazu sagen, dass hier noch einiges an Entwicklungsarbeit zu leisten ist und es nicht 100% sicher ist, dass alles klappt. Der Schritt von Coingate – sich ans Experimentieren und Bauen zu wagen – ist sehr zu begrüßen.

„Stop trying to create money!“

Währenddessen richtet Augustin Carstens, der Chef der Bank für internationalen Zahlungsausgleich seine Botschaft an die Welt:
„Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man Gold oder Geld nicht aus dem Nichts schaffen kann”, daher ist seine Botschaft an die Jugend von heute: “Hört auf zu versuchen, Geld zu erzeugen!

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich hat 60 Mitglieder, darunter das US-amerikanische Federal Reserve System, die Chinesische Volksbank, die Bank of Japan, die Deutsche Bundesbank, die österreichische Nationalbank und die Zentralbanken vieler anderer großer Volkswirtschaften. Für die Bank für internationalen Zahlungsausgleich sind Kryptowährungen, die dezentral sind und ohne Zentralbanken auskommen, natürlich der Feind schlechthin. Daher werden wir wohl weitere solcher Statements in den kommenden Jahren hören.

EU Positionspapier zum Thema Kryptowährungen

Währenddessen gab die Europäische Union Anfang Juli 2018 ein Positionspapier zum Thema virtuelle Währungen aus, in dem sinngemäß abschließend geschrieben wird, dass Kryptowährungen derzeit keine Gefahr für große Währungen wie Euro oder Dollar darstellen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass sicherere, einfacher nutzbare und transparentere Kryptowährungen entstehen werden, die auch mit den großen Währungen konkurrieren können.

Wie wir gesehen haben, werden die Kryptowährungen aber eher intransparenter aus Gründen des Datenschutzes.

…und die EU schreibt:
Ökonomen, die die Bedeutung und Existenzberechtigung von Kryptowährungen schmälern, indem sie sie als Betrug oder reines Mittel für Geldwäsche bezeichnen, liegen falsch. Kryptowährungen sind entstanden, weil es einen Wunsch des Marktes also der Menschen danach gegeben hat und sie werden uns weiter begleiten. Die politischen Entscheidungsträger und Regulatoren sollten Kryptowährungen weder ignorieren, noch sollten sich versuchen, sie zu verbannen.

Man sieht also auch hier: komplett konträre Aussagen. Wobei das Papier der EU sehr ausgewogen klingt und positiv zu sehen ist.

Links:

Lightning bei Coingate

300 Millionen Transaktion

Botschaft von Augustin Carstens, dem Chef der Bank für internationalen Zahlungsausgleich

EU Positionspapier zum Thema Kryptowährungen