Bit & Block News #24 | Krypto: Anonymität und Recht auf Schutz der Privatsphäre

Facebook und Google haben ja in den letzten Monaten keine Werbung für Kryptoprodukte jedweder Art zugelassen. Auf gut deutsch, sie haben Inhalte zensuriert. Ob das wirklich gegen die vielen Betrugsmaschen, die mit ICOs also Initial Coin Offerings und Coins, hinter denen nichts als Luft ist, geholfen hat, ist fraglich. Diese Woche hat Facebook angekündigt den Werbebann teilweise aufzuheben. ICOs dürfen weiterhin nicht beworben werden. Also wird Facebook weiterhin Werbeinhalte blockieren oder nicht, nach welchen Kriterien sie das genau machen…man weiß es nicht.

In Kalifornien wurde ein Gesetz beschlossen, dass KonsumentInnen mehr Rechte gegenüber den Internetunternehmen gibt. Es ist nicht ganz so umfassend wie die DSGVO, aber gibt Einzelpersonen das Recht auf Herausgabe und Löschung ihrer Daten, auf Informationen welche Daten gesammelt werden, wofür sie benutzt werden und auf das Recht den Firmen zu verbieten, mit den Daten zu handeln. Die Unternehmen dürfen Personen, die sich diese Rechte zunutze machen danach nicht anders behandeln als vorher. Das Gesetz, das Anfang 2020 in Kraft tritt, macht es leichter für KonsumentInnen die Firmen nach einer Verletzung des Datenschutzes zu verklagen und gibt auch der Rechtssprechung mehr Möglichkeiten. Es dürfte beschlossen worden sein um einer sogenannten Ballot Measure, einer Bürgerinitiative, zuvorzukommen, die noch drastischere Schutzmaßnahmen vorgesehen hatte.

Die Internet Association – eine Vereinigung der großen Internet Player von Facebook, Google, LinkedIn, Paypal bis hin zur Kryptobörse Coinbase hat gegen die Ideen der Ballot Measure lobbyiert und sich nun mit dem Ergebnis zufrieden gegeben, um die Ballot Measure zu verhindern.

Facebook, Google und Co. sind einfach zentral gesteuerte Unternehmen völlig im Gegensatz zur Idee der offenen Blockchains und von Bitcoin. Was mich zu einem Lesetipp führt. Das RIAT Institut in Wien hat ein Interview mit Andreas M. Antonopoulos zum Thema Anonymität, Datenschutz und das Recht auf Privatsphäre geführt.

Einen Teil daraus – von mir übersetzt – will ich hier wiedergeben:

Die Menschen geben ihre Freiheit und Rechte auf, um sich vor imaginierten Gefahren zu schützen. Diese Ängste werden verstärkt, dabei ist es die eigene Regierung von der die größte Gefahr ausgeht. Diese Lektion hat Europa vor kurzem gelernt, die USA bis heute nicht. Aber wir sehen leider das Wachsen des Faschismus in Europa, weltweit und in den USA, es ist leider eine Lektion die die nächste Generation wieder selbst lernen muss. Ich hoffe, dass Kryptographie und Kryptowährungen und andere kraftvolle Technologien dazu benutzt werden – vor allem von jungen Menschen – um ihre Rechte und Freiheiten zu verteidigen und wieder zurückzubekommen. Man wird sie kriminell nennen, man wird ihnen sagen, dass es falsch ist was sie tun. Aber sie müssen das ignorieren und es trotzdem tun. – Andreas M. Antonopoulos

“People are willing to give away their rights and freedoms, to protect themselves from imaginary threats and in the end, those threats get amplified, and it’s their own government that is the greatest threat of all. And this is a lesson that Europe learned recently and America hasn’t learned yet. But unfortunately when we see the rise of fascism in Europe and around the world and in the United States, it’s unfortunately a lesson the next generation will have to learn again. I’m hoping that cryptography and cryptocurrencies and other powerful technologies like that can be used, especially by young people, to seize back and exercise their own rights. They will be called criminals, and they will be told that they are doing something that is wrong. And they need to ignore that, and do it anyway.”

Links:
Kryptobann aufgehoben 

Kalifornien Datenschutz

Internet Association 

Andreas M. Antonopoulos Interview