Google+ das Google Universum wächst

Anfang Juli 2011: 2,5 Millionen ÖsterreicherInnen und 20 Millionen Deutsche haben es sich auf Facebook gemütlich gemacht. Und plötzlich startet Google ein neues Produkt nämlich Google+ und alle sind ganz „wucki“. Bei einer Umfrage des Magazins t3n sagen 57% der Befragten (Stand: 6.7.11, 10 Uhr), dass sie bei G+ sind und es ihr neues Lieblings-Network ist. Was soll das Ganze? Muss ich jetzt auch auf Google+ wechseln? Welche Vor- und Nachteile hat das? In diesem Beitrag versuche ich ein paar dieser Fragen zu klären.

Ich habe mich irgendwann 2008 auf Facebook registriert. Die Nutzung habe ich dann monatelang verweigert, weil ich Facebook in Bezug auf die Userfreundlichkeit ungeheuer schlecht fand, Mark Zuckerberg war (und ist mir immer noch) unsympathisch und die dauernden Fehler und anschließenden Entschuldigungen gingen mir auf die Nerven. Nur wie das halt so ist – ich bin ein Internet Fan und will alles ausprobieren – und bin wie viele andere in den letzten 3 Jahren in Facebook hineingewachsen.

Und jetzt ist Google+ da. Und bietet ein klares Design, leichte Bedienbarkeit und mehr Offenheit. Mit Offenheit meine ich, es ist ein wenig wie Twitter. Man kann auch den Stream von Leuten sehen, mit denen man nicht befreundet ist. Das ist der Faktor, der mir an Twitter so gut gefällt, dass man nach Themen suchen kann, dass man im Vorfeld einer Konferenz Leute finden kann, die auch dorthin gehen. Ich habe über Twitter viel mehr neue offline Bekanntschaften geschlossen als über Facebook. Auf Facebook kommt es mir ein wenig wie Stalking vor, wenn ich in Gruppen oder Freundeslisten schaue, wer da so ist und die Person muss ich dann anschreiben damit sie mich „befreundet“. Also tue ich das nicht. Wenn mich auf Facebook jemand „befreunden“ will, den ich so gar nicht kenne und der/die auch thematisch nichts mit mir zu tun hat, dann nehme ich die Freundschaftsanfrage nicht an. Mir geht es ja nicht darum FreundInnen zu haben, sondern um die Informationen, die ich bekommen kann. Für mich sind das Wissens- und Netzwerkressourcen. Facebook hat das bis zu einem gewissen Grad auch erfüllt, aber Facebook ist meiner Meinung nach ein Unterhaltungsmedium.

Google+ könnte sich als Business Netzwerk etablieren, in dem die Unterhaltung genauso Platz hat. Durch das System der Einteilung von Personen in Kreise ist es möglich, dass man auch den eigenen Stream filtert. D.h. ich habe z.b. einen Kreis „Social Media“. Da sind alle Personen drinnen, die in diesem Bereich arbeiten und für mich interessante Quellen und berufliche Kontakte sind oder sein könnten. Meinen Stream kann ich dann auch danach filtern. Ein Klick genügt und ich sehe nur die Statusmeldungen der „Social Media“ Leute.
Großes Plus für Google.

Google Hangout. Man kennt Skype, man kennt Chats, man kennt Youtube. Alle drei zusammen sind Google Hangout. Hier kann man also nicht nur Videotelefonieren, sondern sich auch im Chat gleichzeitig Texte oder Links senden und dazu auch noch Youtube Videos schauen. Was das soll? Das ist das Fernsehen der Zukunft. Social TV sozusagen. Stellen Sie sich vor es ist Fussball WM der Frauen und man kann sich das live gemeinsam im Hangout ansehen. Und natürlich nur mit den Leuten mit denen man möchte. Oder für Unternehmen: ganze Meetings können so ablaufen. Der im Meeting vereinbarte Termin, kann gleich in den Google Kalender eingetragen werden. E-Mails können direkt über Gmail versendet, Texte in Google Docs bearbeitet werden….das Google Universum naht.
Großes Plus für Google.

Für die Bilderverwaltung verwendet Google+ die Picasa Software. Diese wird nun in Google Photos umbenannt. Blogger wird in Google Blogs umbenannt. Das Google Universum vereint sich.

Überhaupt mit Picasa (das man auch am Desktop zur Bilderverwaltung und Bearbeitung installieren kann – ein super Tool) hat Google einen Riesenvorteil gegenüber Facebook. Die Rechteverwaltung, welche Alben öffentlich sind und welche nicht, ist auch klar geregelt.
Großes Plus für Google.

Ok, also ich kann meine Statusmeldungen auf bestimmte Kreise einschränken. D.h. was ich nur meiner Familie sagen möchte, kommt auch nur dort an (hoffentlich passieren G+ hier keine Datenpannen, sonst ist das Vertrauen weg). Was bedeutet das für Unternehmen? Ich habe einen Kreis „Querform“ eingerichtet. Hier sind nur meine Geschäftspartnerin und ich drinnen. D.h. wir können über G+ „live“ kommunizieren auch wenn wir in unterschiedlichen Städten wohnen. (Ja, das geht mit Yammer oder anderen Diensten auch – aber es ist doch bequemer alles an einem Platz zu tun)
Großes Plus für Google.

Nachdem Google die beliebteste Suchmaschine ist und das auf absehbare Zeit auch bleiben wird, kann man sich denken, dass ein Profil auf Google+ auch hier Vorteile hat. Wenn Google mehr über mich weiß, zeigt es auch das an, was ich der Öffentlichkeit mitteilen will. Die Zusammenarbeit mit Twitter hat Google ja vor wenigen Tagen gekündigt, d.h. in die Echtzeitsuche auf Google werden wohl nur mehr Google+ Daten fließen…..das Google Universum naht.

Also ich sehe im Moment nur Vorteile. Natürlich wird ein großer Kritikpunkt sein, dass Google dann ja alles über uns weiß, es ein riesiger monopolistischer Konzern sein wird (ist es ja jetzt schon) und „was passiert dann mit meinen Daten?“ Ich finde Google agiert hier viel offener als Facebook. Ist ja völlig klar, dass sie unsere Daten auch zum Geldverdienen verwenden. Aber wenn ich dafür endlich ein Interface bekomme, wo ich nicht 50 verschiedene Dienste zum Arbeiten brauche, ist es mir das wert. Unsere Daten sind sowieso nirgends „sicher“. Das fängt schon auf dem eigenen Rechner an, wenn die Leute ungeschützt in einem offenen WLAN surfen.

Übrigens: Kontrollieren, was G+ anzeigt, geht am einfachsten, indem man einen 2. Browser benutzt. Wenn Sie z.B. hauptsächlich Firefox benutzen, machen Sie den Internet Explorer (egal welchen anderen Browser) auf und rufen (nicht angemeldet) ihre G+ Profil Url auf. So sehen Sie auf einen Blick, was BesucherInnen, die nicht auf G+ sind, sehen.

Niemand muss sofort auf G+ wechseln, die die es interessiert werden es sowieso tun. Die die noch ein wenig zuwarten wollen, können das ruhig tun. Bald einen G+ Button auf der eigenen Website einzubauen, schadet aber in keinem Fall, da die Anzahl der +1 auch ins Suchergebnis Ranking einfließen wird.

Und weil ich das gefragt wurde: Ja, eine eigene Website, ein eigener Blog sind als eigene Content Zentrale wichtiger denn je. Vorausgesetzt man will auf Dauer ein Plätzchen im Netz haben, wo der eigene Content zu finden ist, bei so vielen Social Networks geht alles im Rauschen unter.

Google scheint aus den Fehlern beim missglückten Produkt „Buzz“ gelernt zu haben. In nächster Zeit werden noch viele Features zu G+ dazukommen. Viele Dinge werden buggy sein. Aber G+ agiert bisher getreu dem Google Motto „Don’t be evil“. Hoffentlich bleibt das so.

Sie können mich übrigens hier finden: 

PS zum Weiterlesen:

 

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5 Kommentare

  • Rike Antworten

    Hi,

    spannende sache allemal. ich warte noch ein wenig ab mit dem einstieg.,

  • Pingback:Google+ wichtige Tipps für die eigene Website - Social Web - Querform

  • Björn Antworten

    […] Übrigens: Kontrollieren, was G+ anzeigt, geht am einfachsten, indem man einen 2. Browser benutzt. Wenn Sie z.B. hauptsächlich Firefox benutzen, machen Sie den Internet Explorer (egal welchen anderen Browser) auf und rufen (nicht angemeldet) ihre G+ Profil Url auf. So sehen Sie auf einen Blick, was BesucherInnen, die nicht auf G+ sind, sehen. […]

    Noch einfacher geht es wenn man in der oberen Zeile auf den Button „Profil ansehen als“ drückt. Dort kann man dann auswählen ob man das Profil als „alle im Netz“ angezeigt bekommt, oder man schreibt einfach den Namen seines Kontaktes rein und sieht sein Profil aus sicht des Kontaktes.

  • Anita Posch Antworten

    Hi Björn,

    danke für die Ergänzung. Ich weiß, aber ich wollte bewusst einen Test „außerhalb“ von Google durchführen – ich bin da immer ein wenig misstrauisch, ob denn die „Profil ansehen“ Anzeige wirklich stimmt. Und mit der Methode mit dem 2. Browser ist man ganz bestimmt wie ein fremder User unterwegs.
    LG, Anita

  • Pingback:Google+ wichtige Tipps für die eigene Website - Social Web - Ginger bits - Anita Posch

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