Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt

Im Rahmen der „Open Space Women Job Challenges“ fand Anfang Juni 2017 eine Podiumsdiskussion mit Frauen aus Wirtschaft, Bildung und Forschung sowie TeilnehmerInnen der Arbeitsmarkt Projekte der REAKTIV-Unternehmensgruppe statt. Thema waren die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und unser Sozialverhalten, insbesondere auf die Jobchancen von Frauen in den kommenden Jahren.

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt - Podium

Am Podium diskutierten Mag. a Simone Rack, Geschäftsführerin 4dimensions GmbH mit Nicole Sagmeister, MA, Assistentin des Rektors, Leiterin Gender Mainstreaming, Fachhochschule Technikum Wien sowie Corinna Bold, Head of Content Strategy & PR von whatchado und meine Wenigkeit. Gastgeberin war Dr.in Alexandra Singer-Weidinger, Geschäftsführerin der MENTOR Management-Entwicklung-Organisation GmbH & Co OG in Wien.

Hier ein paar Fragen der Diskussionsleiterin Mag. a Karin Weigl, Initiatorin des Wiener Leadership-Kongresses und meine Antworten:

Welche Chancen ergeben sich in Ihren Augen für Frauen am Arbeitsmarkt aufgrund der Digitalisierung?

Jobs, für die wenig bis gar keine Ausbildung nötig ist, werden standardisiert und von Maschinen übernommen werden. Dafür entstehen Jobs für die qualifiziertes Personal notwendig ist. Und zwar für die Tätigkeiten, die Computer nicht erfüllen können. In denen Kreativität, Empathie, interdisziplinäres Arbeiten und Denken in Teams notwendig sind oder andererseits durch gestiegene freie Zeit in Service/Dienstleistungsbranchen, die nahe am Menschen sind. Durch die zusätzliche Überalterung der Gesellschaft werden pflegende Berufe und Gesundheits-Freizeitservices an Wichtigkeit gewinnen. Diese werden aber anders aussehen als bisher. Maschinen werden überall Einzug halten, daher ist eine Auseinandersetzung mit digitalen Medien & Mitteln in allen Berufen Grundvoraussetzung.
Teamfähigkeit, Empathie, Flexibilität, nachhaltiges Arbeiten, Denken in den Schuhen der Anderen sind Fähigkeiten, die eher den Frauen zugeschrieben werden – diese Fähigkeiten werden wichtiger, hier liegt die Chance für uns Frauen.

Welche großen digitalen Trends bzw. Trends im Bereich Online Marketing sehen Sie in den kommenden Jahren? – Wo steht da Österreich in Bezug zu anderen Ländern?

Aufgrund der technischen Möglichkeiten ist der Videobereich stark im Wachsen. Mit jedem Smartphone kann man heute kleine Filme machen oder live übertragen. Man geht auch davon aus, dass Podcasts, also quasi Miniradios mehr Bedeutung erlangen werden. Die Menschen werden wählerischer in ihrem Medienkonsum. Einerseits wird Zeit offline wichtiger und andererseits will man nicht mehr überrollt werden von Werbung, die nicht interessiert. Man möchte die Informationen, die passen, zu den Dingen, die Eine/n wirklich interessieren. Hier werden Facebook und Co. noch lernen und uns nicht mehr z.B. den TV in einer Werbung anzeigen, den wir bereits gekauft haben. Sondern vermutlich Zubehör für unseren neuen TV. Marketing und Werbung werden mehr bzw. alles über uns wissen. Österreich hinkt leider hinterher. Generell ist der deutschsprachige Raum unterentwickelt, was Digitalisierung in Unternehmen anbelangt. Hier herrschen immer noch E-Mail, Word und Excel während in USA und anderen Ländern Chats und Kommunikation in Echtzeit viel weiter verbreitet sind. Die Unternehmen sind viel zu starr und hierarchisch aufgebaut, jede Abteilungen schützt „ihre“ Daten obwohl interdisziplinärer gearbeitet werden muss.

In welchen digitalen Bereichen sehen Sie große Jobchancen für Frauen?

Von digitalen Bereichen kann man meiner Meinung nach nicht mehr sprechen. In Zukunft wird sich die offline und online Welt vermischen. Wir werden den Unterschied fast nicht mehr merken. Da sich die bezahlte Arbeit generell verringern wird, könnte es sogar sein, dass die Männer versuchen die Frauen aus dem Arbeitsmarkt zu drängen. Gerade in den letzten Jahren merkt man doch einen deutlichen Backlash in Sachen Gleichberechtigung und gleiche Chancen für Frauen. Ich bin hier also optimistisch, dass es gute Aussichten für Frauen gibt und pessimistisch gleichzeitig. Wichtig ist auf alle Fälle flexibel zu sein, eine gute Ausbildung zu haben und widerstandsfähig, selbstbewusst zu sein. Und das gefällige, angelernte, fleißige Mädchengehabe sein zu lassen. Wer sich im Hintergrund hält, wird nie beachtet werden und bei der nächsten Gehaltserhöhung nicht berücksichtigt werden.

Viele Frauen glauben, „technische“ Berufe und Tätigkeiten seien nichts für sie und schließen daher solche Berufe in ihren Überlegungen aus. Wie „technisch“ muss man sein, um im online Marketing arbeiten zu können?

Ich halte das für absoluten Blödsinn. Wieso sollte das nichts für Frauen sein? Technisch heißt nicht, harte körperliche Arbeit. Unf Programmieren lernen, ist nur wie eine andere Sprache lernen. Es wird uns anerzogen, die Gesellschaft zeigt uns in jeder TV Werbung und Sendung wie Frauen sein zu haben und an dem wachsen wir und glauben das ist einfach so. Aber das stimmt nicht. Leider ist unser gesamtes Bildungssystem immer noch wie vor 100 Jahren, obwohl wir es besser wissen. Im Online Marketing ist es wichtig Zusammenhänge zu verstehen und ja es ist günstig sich auch mit den Tools auszukennen. Aber niemand muss Programmiererin werden – wenngleich viele Programmiererinnen gesucht werden. Ich kenne keine/n arbeitslosen Programmierer/in. Gerade hier haben Frauen derzeit große Chancen.

„Der gläserne Mensch“ ist ein viel zitierter Begriff in Bezug auf die Nutzung verschiedener digitaler Plattformen, wie z.B. online Banking oder Social Media. Ich erlebe immer wieder, dass Frauen Angst vor dieser Transparenz haben und daher auch ein Berufsbild im online Business nicht in Erwägung ziehen. Wie sehen Sie das?

Wir werden uns das in Zukunft nicht mehr aussuchen können. Wer sich verweigert, wird von der Entwicklung ausgeschlossen werden. Jede Technologie hat gute und schlechte Seiten. Als das Feuer entdeckt wurde, konnte man Speisen zubereiten und sich wärmen gleichzeitig kann man ganze Landstriche damit abfackeln. Es ist also immer die Frage wie der Mensch und die Gesellschaft mit neuen Technologien umgehen. Dass hier Regeln gefunden werden müssen, ist klar. Und je besser ich mich selbst damit auskenne, desto besser kann ich es nutzen und mich schützen.

Was hat Sie den Weg in den online und digitalen Bereich einschlagen lassen? Welches Berufsbild hatten Sie damals und was hat sich seither verändert?

Ich habe mir schon mit 13 meinen ersten Computer gewünscht und ihn glücklicherweise auch bekommen. Mich hat das einfach immer interessiert. Als 1997 das Internet auch in Österreich einzog, wurde ich gerade mit meinem Raumplanungsstudium fertig. Drei Jahre später beschloss ich eine Multimedia Producer Ausbildung zu machen. Damals lernte man alles von Photoshop zu HTML genauso wie DVDs/Spiele programmieren. Ich habe mich dann 2000 als Webdesignerin selbstständig gemacht und hatte keine Ahnung wie sich das entwickeln würde. Heute sind die Berufsbilder viel ausdifferenzierter. Es gibt Jobs, in denen man nur mit Facebook Werbung beschäftigt ist oder nur Frontend oder Backend programmiert. Früher war das alles ein Job. So gesehen weiß niemand wie sich das entwickeln wird.

Welche Qualifikationen würden Sie Frauen aller Altersgruppen, die auf Jobsuche sind, aus Ihrer heutigen Erfahrung heraus besonders empfehlen?

Spielerisch an Dinge herangehen, experimentierfreudig sein, das Neue betrachten und nicht gleich ablehnen, flexibel und widerstandsfähig sein, auf sich selbst achten, positiv denken und nicht in allem das Schlechte sehen. Standhaft bleiben, Mut zur eigenen Meinung haben und sich nicht von der Lautstärke der Männer einschüchtern lassen. Lernen mit Medien und Technologien umzugehen, es ist wichtig zu wissen, wo und wie man nach Wissen sucht, es kombiniert und anwendet.

Sie haben letztes Jahr auch noch ein eigenes Projekt gestartet, die Bikesisters: worum geht es da?

Radfahren ist ja auch eher ein Männersport. Im Alltag sind es zwar vielerorts die Frauen, die oft mangels Auto oder aus Vernunftgründen mit dem Rad unterwegs sind, aber das Sportliche wird den Männern überlassen. Die meisten Farrad-Medien zielen auf Männer ab und ich habe auch die leider immer noch existierenden sexistischen Darstellungen von Frauen im Sport satt. Daher habe ich mein eigenes Medium gegründet, das für alle Fahrradinteressierten ist und im speziellen Frauen motivieren will, mehr Rad zu fahren. Frauen können dort nach Radpartnerinnen suchen und sich vernetzen. Die Informationen richten sich an EinsteigerInnen und FreizeitfahrerInnen ohne sich in technischem Schnickschnack zu verlieren. Radfahren steigert das Selbstwert- und Wohlbefinden und natürlich können Frauen auch Reifen flicken!

Fotos: © MENTOR Management-Entwicklung-Organisation GmbH & Co OG

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